Entwicklungsprozess meiner Bücher – Teil 1

Ich möchte mit diesem Artikel die Möglichkeit nutzen, um einmal näher auf den Entwicklungsprozess meines Romans »Arrakur – Die große Schlucht« einzugehen, denn die Arbeit an einem eigenen Buch umfasst stets unterschiedliche Elemente, die dem Leser im Hintergrund eventuell nicht geläufig sind. Einmal abgesehen von Geduld, Zeit und Motivation, gibt es verschiedene andere Facetten, die dabei eine größere Rolle spielen. Das wirklich interessante dabei ist jedoch die Tatsache, dass das Verfassen der einzelnen Kapitel tatsächlich den geringsten Teil der Arbeit ausmacht.

In diesem ersten Artikel werde ich nun auf die Gestaltung des Plots und der Recherche eingehen. Dabei versuche ich aber, mich möglichst kurz zu halten – versprochen!

Alles beginnt mit dem Plot, denn ohne Plot gibt es auch keine Geschichte. Es darf aber nicht irgendein standardmäßiger Plot sein – wie sonst sollte man sich unter geschätzten eine Millionen Bücher in der gleichen Sparte absetzen können? Wichtig dabei ist eine besondere Geschichte zu entwickeln, die sich nicht nur von diesen unzähligen Büchern abhebt, sondern auch ein besonderes Merkmal des Autors näher definiert – nennen wir es eine persönliche Signatur. Bevor man sich also ans Werk macht und einfach drauf los tippt, sollte man sich bereits im Vorfeld darüber im Klaren sein, was denn eigentlich genau das Besondere an der eigenen Geschichte ist. Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, dann fällt einem auf, dass dies gar nicht so leicht ist. Das ist aber natürlich noch nicht alles, denn man beabsichtigt nicht nur irgendein Buch, sondern tatsächlich auch ein gutes Buch zu verfassen. Es ist schließlich das eigene Buch – in diesem Sinne also ein Ausdruck dessen, was einem so an vollkommen abstrusen Gedanken tagtäglich im Kopf herumgeistert. Ich weiß, dass mit einer derartigen Aussage natürlich Vorsicht geboten sein sollte, denn ein Buch gibt nicht zwingend den Charakter eines Autors wieder. Wer also Erotik-Bücher schreibt, der beschäftigt sich nicht unbedingt den lieben langen Tag mit entsprechenden Verweisen. Was ich damit viel mehr zum Ausdruck bringen möchte, ist, dass die Entwicklung eines Buches immer mit einer Selbstentwicklung einhergeht.

Ich möchte in diesem Bezug einmal einen Vergleich zu meinem eigenen Buch herstellen. Hier steht ganz klar die Fragestellung im Raum: Was hat mich persönlich zu Beginn dazu bewogen, genau diese Geschichte zu wählen? Für mich persönlich fällt die Antwort einfach aus: Es ging darum, eine Welt zu kreieren, die sich zwar in vielen verschiedenen Facetten von der uns bekannten Welt abhebt, dennoch tatsächlich in dieser Form existieren könnte. Allen voran steht natürlich die Schlucht, die alleine durch ihre Existenz einen klar trennbaren Charakter besitzt. Dadurch entsteht viel Spielraum für verschiedene Aspekte, wie z.B. Politik, Wirtschaft, Handelsbeziehungen und diverse heroische Grundlagen. Mir war es bereits zu Beginn sehr wichtig nicht nur einen Heldenepos zu verfassen – denn das findet man heutzutage nur zur Genüge – sondern auch ein tieferes Verständnis für die agierenden Figuren zu entwickeln, die mit ihren eigenen Ängsten und Abgründen zu kämpfen haben.
Dem ein oder anderen ist in diesem Bezug vermutlich nun das klassische Weltenbau-Prinzip ein Begriff, auch ich war nicht davor gefeit, in dieser Sparte aktiv zu werden. Das bedeutet wiederum, dass ich mit meinem Plot im Bereich Fantasy nicht unbedingt das Rad neu erfunden habe. Dennoch habe ich eine Situation entwickelt, die in dieser vorliegenden Form tatsächlich noch nicht explizit aufgegriffen wurde. Ein Buch in kurzen Sätzen zu beschreiben ist aufgrund der Fülle an Informationen und detaillierten Zusammenhänge nur sehr schwer möglich (Stichwort: Pitch), die Absicht ist aber eindeutig erkennbar: Der Fokus ist auf die geographischen Begebenheiten dieser eigenständigen Welt fixiert. Alleine aufgrund dieser Trennung ist es sehr gut möglich, dass traditionelle Schwarz-Weiß Prinzip aufzubrechen und somit den handelnden Figuren mehr Einfluss und Freiraum zu gewähren. Natürlich muss es selbst in einer komplexen Darstellung immer ein gewisses Feindbild geben – es ist aber dennoch so viel interessanter, wenn die Grenzen dazu zeitweise verschwimmen.

Damit kommen wir auch schon zu einem wichtigen Unterpunkt, der für jeden Plot wichtig ist: Die charakteristische Absicht. Bereits bevor ich überhaupt die einzelnen handelnden Figuren entwickelt habe, war mir dieser Punkt sehr wichtig. Was genau bewegt die handelnden Personen? Was wollen sie erreichen und warum wollen sie dies tun? Dramatische Spannung ist ein wichtiger Faktor in einer Geschichte, aber wie genau entsteht diese? Wer nun eine ausführliche Antwort darauf erwartet, der wird  vielleicht an dieser Stelle etwas enttäuscht sein, denn ich werde keine ausschweifende Erklärung dazu abgeben. Ich versuche es, mit einer kurzen Definition wiederzugeben: Dramatische Spannung entsteht, in dem handelnde Personen konfliktbedingt gegenüberstehen.
Ein Konflikt muss stets eine Ursache haben, in Liebesromanen kann dies die charakteristische Eigenschaft der Missgunst oder Leidenschaft sein. Ein Beispiel dazu: Die handelnde Hauptperson A findet etwas wirklich Fürchterliches heraus und fühlt sich dadurch betrogen. Die Folge daraus ist eine Konfrontation mit Hauptperson B. Die dramatische Spannung entsteht – wie genau wird Hauptperson B reagieren? Wird es womöglich ein katastrophales Ende nehmen? Wird eine Nebenperson aus den Schatten treten, die bislang keinen großen Einfluss auf die Geschichte genommen hat? Oder liegen sich beide Hauptpersonen am Schluss wieder glückselig in den Armen? Friede, Freude, Eierkuchen.
An dieser Stelle möchte ich nun wiederum einen Vergleich zu meinem Roman anstreben. Die wichtigste charakteristische Eigenschaft, der ich mich in diesem Werk verschrieben habe, war die Gier. Eine kurze Erläuterung dazu: In der großen Schlucht gibt es etwas ganz besonderes, das jeder besitzen möchte. Dabei handelt es sich um eine Pflanze, die das Leben derjenigen verlängert, die sie zu sich nehmen. Ob Bauer, Fürst oder sogar König – jeder möchte seinen Einfluss und seine Macht darüber ausbauen. Aus dieser charakteristischen Eigenschaft lassen sich wiederum viele weitere Stilmittel entwickeln, ich habe mich in diesem Bezug dann weiter auf das Element der Intrigen fokussiert. Natürlich liegt dem Ganzen eine Art Magie zu Grunde, schließlich ist der Roman im Bereich Fantasy zugeordnet und da sollte etwas vergleichbares nicht fehlen. Ich denke aber, dass nun klar sein sollte, worauf alles hinausläuft: Der Plot ist vielschichtiger, als man zuvor denkt. Dennoch sollte man es nicht zu kompliziert gestalten, denn letztendlich soll der Leser einfach und verständlich die Absichten dahinter erkennen können.

Hat man sich als Autor für einen Plot entschieden (den unvergleichlich interessanten Plot, den die Welt noch nicht gesehen hat), dann wird es Zeit zu recherchieren. Keine Geschichte wurde bereits an einem einzigen Tag verfasst, es benötigt Ruhe, Geduld und einen steten Quell an Hintergrundinformationen, um das Buch in ein geeignetes und vor allem ansprechendes Format zu bringen. Es gibt Autoren, die lesen Stapelweise Bücher zu bestimmten Themen, die gerade einmal ein winziges Detail in ihrem eigenen Buch ausmachen. Christopher Paolini hat beispielsweise für sein Buch Eragon – Die Weisheit des Feuers stapelweise Lektüre zum Thema der Schmiedekunst von Schwertern gewälzt. Wer es nicht glaubt, kann sich gerne das Nachwort dazu ansehen. Beabsichtigt man also, etwas wirklich gut zu machen – oder gar perfekt – dann setzt dies viele unermüdliche Stunden an Recherche voraus.
Für meinen Roman habe ich Recherche in anderer Hinsicht betrieben. Die Flora und Fauna dieser Welt ist einzigartig, denn ich habe über 30 verschiedene Tier- und Pflanzenarten  entwickelt. Dabei habe ich aber nicht nur irgendwelche abstrusen Gestalten erschaffen, sondern ein komplexes und zusammenhängendes System, das dem Leser im Laufe des Romans deutlich erkennbar wird. Anatomie, Verhaltensweise und natürlich Wirkungsweise waren hier wesentliche Kernaspekte, denen meine Recherchen gegolten haben. Eine Pflanze ist dort nicht einfach nur eine Pflanze. Sie lebt – im wörtlichen Sinne. Aber warum lebt diese und wie hängt das alles zusammen? Nun, das sind Geheimnisse, die erst im Laufe der Reihe gelüftet werden – ich verspreche es!

Ihr seht also, die Recherche kann in vielerlei Hinsicht stattfinden. Wie genau diese dabei aussieht, bleibt natürlich jedem Autor selbst überlassen. Wichtig dabei ist nur, dass man die Arbeit daran nicht unterschätzen sollte.

Natürlich gibt es wiederum Autoren, die einfach drauf losschreiben und am Anfang noch gar nicht wissen, wie genau sich die Geschichte entwickelt und welche besonderen Eigenschaften dem zu Grunde liegen. Ich muss gestehen, dass ich ebenfalls teilweise in diese Kategorie falle, allerdings nicht in Bezug auf den Plot, die Recherche oder die handelnden Personen. Bei mir bezieht sich das auf den eigentlichen Verlauf der Geschichte. Zwar sind die Kapitel stichwortartig angelegt, dennoch weicht die eigentliche Umsetzung dann bei Weitem davon ab.

Bevor ich aber nun weiter abschweife, mache ich an dieser Stelle Schluss. Die Kapitelgestaltung ist ein Thema für einen anderen Beitrag. Aber nicht nur das, auch die Entwicklung der Namen und zugehörigen Figuren möchte ich noch einmal näher ausführen. Besonders die Gestaltung der Namen ist eine Wissenschaft für sich – ich habe es zuvor auch nicht geglaubt!

In diesem Sinne: Danke fürs Lesen!

Wenn euch der Artikel gefallen hat, dann hinterlasst doch einfach einen Like oder einen Kommentar.

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